Termine von Faszinatour
Chance für mehr Firmenfrieden

Praxistipps von Werner Vetter:
So etablieren Sie eine konstruktive Feedback-Kultur!

So etablieren Sie eine konstruktive Feedback-Kultur!
 

Montagmorgens im Jour Fixe: Während Kollege Maier spricht, verdreht Kollege Müller demonstrativ die Augen. Maier ist so irritiert, dass er seinen Vortrag abbricht und Müller barsch abkanzelt oder beleidigt schweigt. In der anschließenden Diskussion treten Sachthemen in den Hintergrund, die Arbeitsatmosphäre ist nachhaltig gestört – die weitere Zusammenarbeit von Maier und Müller auch. Schade, denn die genervte Geste bezog sich gar nicht auf Maier, sondern auf eine E-Mail, die Müller unter dem Tisch gelesen hatte. Das kann Maier natürlich nicht wissen – aber herausfinden, bevor die Sache eskaliert. Dafür braucht es eine funktionierende Feedback-Kultur.

Wozu brauchen wir eine funktionierende Feedback-Kultur?
Missverständnisse und zwischenmenschliche Irritationen gehören zum Arbeitsalltag. Ob daraus eine ernsthafte Bedrohung für den Firmenfrieden wird, der Arbeitsabläufe und Effizienz nachhaltig beeinträchtigt, hängt davon ab, wie Mitarbeiter und Führungskräfte damit umgehen. Missverständnisse kann man aufklären, Irritationen thematisieren und eine für alle akzeptable Lösung finden – vorausgesetzt, man hat im Vorfeld eine funktionierende Feedback-Kultur etabliert.

Feedback und Feedback-Kultur – was ist das?
Feedback ist eine strukturierte Mitteilung, die Auskunft darüber gibt, wie das Verhalten einer Person von einer anderen wahrgenommen und erlebt wird. Es hat keinen Anspruch auf Objektivität und Allgemeingültigkeit und ist damit – richtig gehandhabt – auch nicht verletzend, sondern informierend. Es macht Verhalten (nicht Inhalte!) wie das irritierende Augenverdrehen des Kollegen Müller thematisierbar, verstehbar und im gegenseitigen Einverständnis veränderbar. Damit trägt es zur Deeskalierung, und zur Beschleunigung von Arbeitsprozessen bei, weil es hilft, Reibungsverluste durch sich hochschaukelnde Missverständnisse oder Konflikte zu minimieren. Das setzt voraus, dass das richtige Geben und Nehmen von Feedback gelernt ist und auf allen Hierarchieebenen gelebt wird: in einer konstruktiven Feedback-Kultur, die integraler Bestandteil der Unternehmenskultur ist.

Die wichtigsten Regeln für konstruktives Feedback
Feedback geben und nehmen kann und muss man lernen, damit es stressfrei und konstruktiv gelingt.

So geben Sie richtig Feedback:
◾Drängen Sie Ihrem Gegenüber Ihr Feedback nicht ungefragt auf, sondern klären Sie, ob er es (zu diesem Zeitpunkt) haben möchte.
◾Sprechen Sie für sich und über Ihre Wahrnehmung; Formulierungen wie „das sagen alle...“ sind tabu.
◾Beziehen Sie sich auf gezeigtes Verhalten und konkrete Beobachtungen und beschreiben Sie, was nach außen sichtbar war und was das bei Ihnen auslöst.
◾Verzichten Sie auf moralische Bewertungen, Interpretationen, Analysen und Verallgemeinerungen.
◾Äußern Sie Wünsche oder Erwartungen in Bezug auf Verhaltensänderungen als Vorschläge, die der andere annehmen kann oder auch nicht.

So nehmen Sie Feedback richtig an:
◾Klären Sie, ob Sie gerade in der Lage sind, Feedback anzunehmen, und teilen Sie das Ihrem Gegenüber mit.
◾Hören Sie aufmerksam zu und nehmen Sie das Gehörte auf. Geben Sie keine Erklärungen für Ihr Verhalten und verteidigen oder rechtfertigen Sie sich nicht – auch wenn Sie manchem (zunächst) nicht zustimmen.
◾Stellen Sie Rückfragen, wo Sie mehr Informationen zum Verständnis des Gehörten brauchen.
◾Unterstellen Sie dem Feedback-Geber keine unlauteren Motive; bedanken Sie sich für sein Feedback
◾Lassen Sie die Eindrücke das anderen in Ruhe auf sich wirken und entscheiden Sie dann, ob und wie Sie das Feedback annehmen.

Wichtig:
◾Feedback sollte möglichst zeitnah erfolgen
◾in vertrauensvoller Atmosphäre – niemals zwischen Tür und Angel oder vor Dritten
◾ungestört von Telefonklingeln, E-Mail-Checken oder zur Tür hereinplatzenden Kollegen

In unserem Fall Maier-Müller heißt das: Maier schildert Müller, dass er dessen Augenverdrehen beobachtet und den Eindruck gewonnen hat, dass es sich auf ihn und seinen Vortrag bezog. Er wünscht sich, dass Müller in Zukunft nicht mehr unter dem Tisch seine Mails checkt, damit solche Missverständnisse in Zukunft ausbleiben. Müller kann nun darüber nachdenken, ob der Kollege damit Recht hat. Schließlich wünscht er selbst sich auch die ungeteilte Aufmerksamkeit der Kollegen, wenn er spricht.

Klingt eigentlich ganz einfach? Ist es auch, aber wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail. Allzu leicht kommen der guten Absicht gewohnte Verhaltens- und Kommunikationsweisen wie Verallgemeinerungen („Du machst immer...“), Verbrüderungen („die anderen finden auch...“) oder moralische Wertungen (“das ist aber nicht in Ordnung!“) in die Quere, oder die Ehrlichkeit wird dem kollektiven Harmoniebedürfnis geopfert. Am einfachsten und effizientesten kann man Feedback geben und nehmen in einem Workshop lernen und trainieren: eine überschaubare Investition, die – richtig vermittelt – viel Spaß macht und sich auszahlt. Denn in einem Tag lassen sich die Grundsätze und Do’s & Don’ts gemeinsam erarbeiten und der Grundstein dafür legen, dass sich eine konstruktive Feedback-Kultur im Unternehmen etabliert.

Im Übrigen ist Feedback nicht nur ein Deeskalations-, sondern auch ein Motivations-Instrument. Rückmeldungen wie „Dein Vortrag hat mich richtig mitgerissen, Du solltest öfters Vorträge halten“ tragen dazu bei, dass jeder sein Bestes gibt und bisher ungenutzte Potenziale freiwerden können. Und davon profitiert nicht nur die Stimmung, sondern auch das unternehmerische Ergebnis.


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