Hilfe, die Azubis kommen!

Praxistipps von Werner Vetter:
5 Fehler beim Nachwuchs-Neustart und wie Sie sie vermeiden!


 

Sie sind die Zukunft und in Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel heiß begehrt: die neuen Auszubildenden, die im September in die Unternehmen kommen. Bei aller Motivation auf beiden Seiten – oft läuft es am Anfang alles andere als rund zwischen Azubis und Arbeitgeber. So vermeiden Sie Fehlstarts und stellen die Weichen vom ersten Tag an auf Erfolg.

Das Wichtigste in Kürze:

1. Einfach laufen lassen läuft nicht: Geben Sie Starthilfe für die Teamentwicklung!
2. Mittendrin statt nur dabei: Ausbilder rein ins Team!
3. Willkommen im Abteilungs-Abseits? Ausbildung braucht Akzeptanz!
4. Damit die Motivation nicht auf der Strecke bleibt: Boxenstopps sind wichtig!
5. Feste Feiern, Potenziale finden: Auf der Zielgeraden für Zukunft sorgen!

Für die Azubis beginnt in Ihrem Unternehmen ein neuer Lebensabschnitt: vom fremdbestimmten Lernen für Schule und Lehrer hin zu einem erwachsenen Lernen für die eigene Entwicklung und berufliche Zukunft. Vertraute Rollen wie Klassenclown oder Rebell haben ausgedient, neue, erwachsene Rollen sind gefragt und müssen erst gefunden werden: viel Anpassungsleistung, die in kurzer Zeit geschafft werden will. Konzentrieren sich Unternehmen bei der Ausbildung ausschließlich auf den fachlichen Aspekt, machen sie damit den ersten von fünf häufigen Fehlern:

Einfach laufen lassen? Läuft nicht!
Damit Sie die Neuen einarbeiten können, müssen die erstmal angekommen sein – nicht nur physisch, sondern auch mit Hirn und Herz. Je schneller Zugehörigkeit und ein Wir-Gefühl entstehen, desto weniger bremsen Reibungsverluste und unnötiger Widerstand den Start. Deshalb schicken viele Firmen ihre „Neuen“ gleich zu Beginn einige Tage ins Azubi-Camp. Hier haben sie Gelegenheit, sich kennen zu lernen und ein Team zu werden, das die neuen Herausforderungen gemeinsam meistert – und Ihr Unternehmen die Chance, sie von Anfang ins Boot zu holen und für sich zu begeistern.

Mittendrin statt nur dabei: Ausbilder rein ins Team!
Damit die Azubis möglichst rasch in ihre neue Rolle und ein neues Lernverständnis finden können, muss nicht nur das Eis untereinander, sondern auch das zwischen Auszubildenden und Ausbildern brechen. Das klappt nur, wenn die Ausbilder von Anfang an Teil des Teams sind, statt von der Seitenlinie aus zu kommandieren: für manch „alten Hasen“ eine Herausforderung – aber eine, die sich lohnt. Denn die Unternehmen der Zukunft brauchen keine Befehlsempfänger, sondern sozialkompetente Menschen, die sich gut vernetzen können sowie echte Teamplayer und souveräne Persönlichkeiten sind.

Willkommen im Abteilungs-Abseits?
Ist der Start geglückt, wartet die nächste Hürde, wenn die Azubis in die Abteilungen kommen. Damit sie dort nicht als lästige Zeitfresser betrachtet und mit Routineaufgaben ruhig gestellt werden, braucht es ein gutes Ausbildungskonzept, feste Ausbildungsbeauftragte in den Abteilungen und vor allem: ein gemeinsames Verständnis, wie mit den Zukunftsträgern im Unternehmen umgegangen wird. Hier sind Ausbilder und Ausbildungsleiter gefragt, im ständigen Austausch mit den Unternehmensbereichen dafür zu sorgen, dass die Ausbildung als wichtige Investition in die Zukunft verstanden wird.

Boxenstopps halten die Motivation am Laufen
Teamgeist, Motivation und Lernwille sind keine Selbstläufer – schon gar nicht, wenn man ganz am Anfang des Berufswegs steht. Geben Sie den Azubis regelmäßig Gelegenheit zur gemeinsamen Reflexion: Was läuft gut? Welche Probleme gibt es, etwa mit Arbeitszeit, Berufsschule oder Vorgesetzen? Wer braucht wo Unterstützung? Darüber sollten sich Azubis und Ausbildungsleiter regelmäßig auszutauschen und am besten alle sechs Monate wieder in einem Azubi-Camp zusammen kommen. Denn die entspannte Atmosphäre und das gemeinsame Erleben fördern den Zusammenhalt und stärken die Motivation. So haben sich Azubi-Camps über alle drei Lehrjahre hinweg bewährt: Im 1. Jahr, um die Zugehörigkeit zu fördern und ein neues Rollen- und Lernverständnis zu entwickeln. Im 2. Jahr, um die Identifikation mit Team und Unternehmen auszubauen und konkrete Themen und Methoden wie Projektarbeit kennen und anwenden zu lernen. Und im 3. Jahr, um auf die Prüfung und das Ausbildungsende vorzubereiten.

Ende gut, alles gut: Feste Feiern, Potenziale finden!
Denn gerade auf der Zielgeraden braucht der Nachwuchs Unterstützung und Perspektiven. Bin ich fit für die Abschlussprüfung? Wie geht es danach weiter? Will ich bleiben oder doch lieber studieren? Wenn ich bleibe, wo finde ich meinen Platz im Unternehmen? Stehen Ausbilder ihren Schützlingen hier mit Rat und Tat und einem offenen Ohr zur Seite, nützt das nicht nur den Azubis. Denn so lassen sich zugleich Potenziale erkennen und nutzen, die anhand der Abschlussnoten alleine nicht sichtbar werden, und gute Mitarbeiter an das Unternehmen binden. Dazu gehört natürlich auch, die erfolgreich bestandene Prüfung gemeinsam zu feiern. Leistung soll sich schließlich lohnen, und wer sich an seine Ausbildungszeit bei Ihnen gern erinnert, kommt nach dem Studium eher als High Potential wieder zurück.

Save the date: 16 Oktober 2015
faszinatour Innovationstag für Ausbilder und Pädagogen im Allgäu!


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